Newsletter Nr. 8, Juli 2009 – nochmal zum Nachlesen

Ihr Lieben!

Woran merkt man, dass es höchste Zeit wird, bei der Krankenkasse den Antrag für eine Mutter-ohne Kind- Kur einzureichen?

Hier die Top-Ten-Liste:

1. Man zieht dem Baby eine 4er-Windel an und wundert sich, dass es bereits nach einer halben Stunde ausläuft.

2. Man fragt sich fünf Minuten nach dem Abendessen, ob und wenn ja, was man gegessen hat, weil man während der Mahlzeit hauptsächlich damit beschäftigt war, Feuchttücher anzureichen und verschütteten Apfelsaft aufzuwischen.

3. Man übergießt die Bauklötze mit Tomatensoße und Parmesan und schüttet die Nudeln in die Legokiste.

4. Man gibt der Katze Smarties in den Napf und wärmt dem Kind die Dose Katzenfutter auf.

5. Man reicht dem Kind den Kaffee und nimmt selber einen kräftigen Schluck Möhrensaft.

6. Man ist (und isst) mit dem Partner in einem Nobelschuppen und ruft ihm auf dem Weg zur Toilette quer durchs Restaurant fröhlich zu: „Nicht weinen, die Mama ist gleich wieder da, muss nur mal eben Pipi machen!“

7. Man sinkt abends erschöpft auf die Couch und versucht im Bilderbuch „Alle meine Fahrzeuge“ das aktuelle Fernsehprogramm zu checken.

8. Man steht auf der Terrasse und versucht statt der Zigarette den Latexschnuller anzuzünden.

9. Man stellt fest, dass man zur Rückbildungsgymnastik statt der Turnschuhe die Bobby-Car-Schutzschuhe mitgenommen hat.

10. Man überprüft im Schuhgeschäft, ob man in den sündigen High-Heel-Peep-Toe-Lackpumps auch den vorgeschriebenen Zentimeter Platz nach vorne hat und fragt die Verkäuferin, ob es das Modell auch mit atmungsaktiver Naturgummisohle und aus Bioleder gibt.

Da Anträge für Kuren bei den Krankenkassen prinzipiell von kinderlosen Auszubildenden bearbeitet werden, denen die Vokabeln „Nervenzusammenbruch“ und „Heulkrampf“ nur im Zusammenhang mit missglückten Friseurbesuchen geläufig sind, wird die gewünschte Auszeit selbstverständlich abgelehnt.

Solltet Ihr also in nächster Zeit einen Artikel in der Presse finden, in dem ich als möhrenbreibekleckerte Amokläuferin erwähnt werde, folgt hier auch gleich die Top-Ten-Liste der Typen, die mich soweit gebracht haben, und mit der ich mich vor Gericht für den kleinen Ausraster zu rechtfertigen gedenke:

  1. Oben erwähnte Sachbearbeiterin der Krankenkasse.
  2. Die Nachbarin, die einem über die Straße zuruft: „Ist doch schön, wenn man nicht arbeiten muss, gell?“, während man gerade versucht einen renitenten Zweijährigen im Kindersitz anzuschnallen.
  3. Der Porschefahrer (an dieser Stelle können wir uns das Lästern erlauben, denn zu dieser Sorte Mensch gehören wir ja schon laaaange nicht mehr 🙂 ), der sich auf den freien Mutter-Kind-Parkplatz neben einen stellt und dabei so nah ranfährt, dass es völlig unmöglich ist, die Türen weit genug zu öffnen, um Kinder in den entsprechenden Sitzen anzuschnallen.
  4. Das Rentnerehepaar, das selbstverständlich samstags zur Hauptstoßzeit in der Supermarktschlange hinter einem steht und beobachtet, wie man dem tobsüchtigen Zweijährigen den Schokoriegel erlaubt, weil man keine Lust auf die 99. Diskussion an diesem Tag hat. Es kommentiert die Szene mit den Worten: „Na, dann weiß er ja jetzt, wie er seinen Willen bekommt.“
  5. Die topgestylte Mittvierzigerin, die in der eine Hand die neueste „Schöner Wohnen“ und in der anderen Hand eine Packung Tiefkühlsushi hält und einem in der Schlage im Supermarkt auf die Schulter tippt, während man gerade mit einem Kind im Tragetuch und dem anderen brüllend im Wagen dabei ist, schwitzend und schnaufend die Wocheneinkäufe aufs Band zu stapeln: „Entschuldigung, ich darf doch sicher vor, ich habe nur zwei Teile…“
  6. Der kinderlose Junggeselle, dem man aus Zeitgründen die Organisation seiner Europarundreise mit anschließendem Badeurlaub an der Costa Brava leider nicht abnehmen kann, und der dies mit den Worten quittiert: „Versteh’ ich nicht. Du bist doch den ganzen Tag zu Hause.“
  7. Der Paketbote, der voraussetzt, dass man selbstverständlich gerne bereit ist, die etwa drei Tonnen schwere Kiste für den Geschäftsmann von gegenüber anzunehmen, während der Zweijährige im Wohnzimmer die Gelegenheit nutzt, um das Baby in den Anhänger vom Bobbycar zu setzen und Formel-Eins zu spielen.
  8. Der Geschäftmann von gegenüber, der die etwa drei Tonnen schwere Kiste auch nach vier Tagen noch nicht abgeholt hat und – nachdem man sie dann eben selber rübergeschleppt hat – sagt: „Ach, ich dachte schon, Sie hätten mich vergessen.“
  9. Die Apothekerin, die einem rät, dass man statt mit Medikamenten die Erkältung doch lieber mit ein paar Tagen Bettruhe kurieren sollte.
  10. Die Kollegen, die die Elternzeit immer noch als Erziehungsurlaub bezeichnen und mit verklärtem Blick seufzen: „Das muss toll sein, wenn man so viel Zeit für sich hat.“

Sollte irgendwer nach der Lektüre den nicht ganz unbegründeten Verdacht haben, dass mir ein bisschen Abwechslung gut tun würde, dann soll er sich ruhig animiert fühlen ein Mutti-hat-frei-Ablenkungsprogramm zu starten. 🙂

Ich wünsche Euch allen ein schönes Wochenende! Der nächste Newsletter wird wieder länger auf sich warten lassen – versprochen! 🙂 Aber mir war grad danach…

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