Newsletter Nr. 10, Dezember 2011 – nochmal zum Nachlesen

Ihr Lieben!
Da nun doch einige Beschwerden eingegangen sind, dass ich so lange keinen Newsletter mehr geschrieben habe, werde ich den heutigen Tag endlich mal wieder dazu nutzen. Bei dieser Gelegenheit: Frohe Weihnachten Euch allen und ein paar besinnliche Tage! Das Wetter ist ja praktischerweise so, dass man fast schon automatisch im Jogger auf die Couch fällt.
Die Herren der Familie beschäftigen sich mit der neu eingegangenen Murmelbahn, so dass sich mir ganz ungewohnte Freiräume auftun. Das Geschenk hat der Weihnachtsmann toll ausgesucht!
Jetzt muss ich mal schwer überlegen, was in den vergangenen zwei Jahren überhaupt so passiert ist.
Fangen wir mal mit Schatz an. Das ist schnell zusammengefasst: er ist auf Dienstreise. Im fast beendeten Jahr hat es ihn hauptsächlich nach Rumänien verschlagen. Nicht unbedingt ein beliebtes Reiseziel… Das wird aber ab Januar 2012 umgehend durch Aufenthalte in Brasilien wettgemacht. Ich habe mir sagen lassen, dass dort momentan 26 Grad herrschen. Eigentlich hatte ich danach gar nicht gefragt. 🙂
Ist aber nicht schlimm, denn wie ein Freund schon sehr treffend bemerkte: „Das Geheimnis einer guten Ehe besteht darin, dass man sich so viel wie möglich aus dem Weg geht.“ Ich betrachte unsere Beziehung daher als langfristig krisensicher.
Rein äußerlich passt der – wie Nr. 1 sagen würde – zweite Chef der Familie sich äußerlich mehr und mehr dem fortschreitenden Alter an. Ein gründliches Ausmisten des Kleiderschrankes endete im Entsorgen der zu eng gewordenen figurbetonten Hemden und Hosen. Die kaschierenden Schlabberpullis wurden eine Etage nach unten geräumt, da diese immer öfter zum Einsatz kommen. Nr. 2 musterte Dirk neulich sehr eindringlich und fasste das Dilemma des nicht mehr existenten Haarwuchses kürzlich so zusammen: „Papa, Du hast keine Haare – Du hast nur einen Kopf.“
Damit wären wir auch schon beim jüngsten Satansbraten angelangt. Nr. 2 wird bald drei. Sein gefühltes Alter ist jedoch „genauso alt wie Nr. 1“. Das bewegt den kleinen Herrn dazu, gewagte Sprünge vom Hochbett eines Freundes zu machen – genau wie Nr. 1 eben. Durch diese Mischung von Selbstüberschätzung und Waghalsigkeit stehen wir immer mit einem Bein in der Notaufnahme des hiesigen Krankenhauses oder bei unseren Nachbarn auf der Matte, die praktischerweise nicht nur Freunde, sondern auch Ärzte sind. Ich kann an dieser Stelle nur allen, die mit dem Gedanken spielen umzuziehen, empfehlen, sich sorgfältig über die Nachbarschaft zu informieren. Das kann sich auf Jahre rächen oder eben auch auszahlen. 🙂
Nr. 2 entwickelt sich ansonsten prächtig. Mit seinem Lockenkopf und seinem Grinsen wickelt er jeden um die Finger. Leider auch die eigenen Eltern, denen etwas mehr Konsequenz in der Erziehung durchaus anzuraten wäre. Leider gerate ich oft in Situationen wie diese:
Chef (mit strenger Wutfalte auf der Stirn): Nr. 2, wenn Du nicht sofort aufhörst mit dem Trecker über die Fensterscheibe zu fahren, musst Du damit in Deinem Zimmer spielen.
Nr. 2: Brumm, brummmmm (fährt ungerührt weiter mit dem Trecker über die Terassentür)
Chef (holt Luft, um das Umsetzen der angedrohten Strafe anzukündigen): …
Nr. 1 (von Toilette): Mamaaaa, ich habe die Hose nicht aufgekriegt und jetzt daneben gepinkelt!!!! (Mit diesem panischen Ich-fang-jetzt-an-zu-heulen-Ton in der Stimme)
Nr. 2: Brumm, brummmmm
Chef: Ich komme, Nr. 1!
Nr. 2: Brumm, brummmm
Nr. 1: Mamaaaa!
(währenddessen klingelt der Paketbote)
Chef: Moment, Nr. 1. – Nr. 2, letzte Warnung! (öffnet dem Boten die Tür) Guten Tag!
Nr. 1: Mamaaa, meine Socken sind ganz nass. Und das Pipi läuft jetzt auf den Flur.
Nr. 2: Brumm, brummmm
Chef (quittiert das Paket und versucht ein souveränes Lächeln aufzusetzen): Danke und einen schönen Tag noch. (Tür schnell zu, damit das Pipi nicht auch noch in den Vorgarten läuft)
Nr. 2: Brumm, brummmm
Nr. 1: Mama, jetzt muss ich auch noch AA….
Chef: Ich komme! –  Nr.2, Du sollst damit aufhören.
Nr. 2: Brumm!
Nr. 1: Mammmaaaaa. Jetzt ist es zu spät.
(Chef wischt Pipi auf, zieht Nr. 1 um, schiebt die vollgesch… Wäsche in die Maschine, räumt das im Weg stehende Päckchen beiseite…)
(Nr. 2 räumt den Trecker weg, setzt sich auf den Teppich und liest ein Buch)
Chef: So, Nr. 2, jetzt zu Dir. Ich hatte doch gesagt….
Nr. 2 (mit einem breiten Grinsen): Mama, kannst Du mir vorlesen?
Ja, soviel dazu! Theorie und Praxis klaffen hier weit auseinander und leider ist das kleine Monster raffiniert genug, um diesen Zustand voll auszunutzen. Zu allem Überfluss hat Nr. 2 auch recht früh angefangen zu sprechen. Das ist ja prinzipiell schön und macht manches einfacher. Man ist nicht mehr gezwungen zu erraten, was das Brüllen einem sagen möchte. Dafür führt man bisweilen Diskussionen, in die man nie verstrickt werden wollte.
Zum Trost kommen manchmal einfach nur witzige Sachen aus dem kleinen Körper. Hier zwei Beispiele:
Chef: Was machst Du da?
Nr. 2: Händewaschen.
Chef: Warum?
Nr. 2: Ich hab‘ so viel Apfelschorle getrunken.
oder
Nr. 2: Ich will probieren.
Chef: Das ist roher Kürbis. Der ist knochenhart.
Nr. 2: Dann spucke ich den Knochen einfach aus!
Zusammengefasst muss dieses Kind dringend in den Kindergarten. Zu meiner großen Freude haben wir auch Riesenglück gehabt und einen Platz ergattert. Und zwar in der selben Gruppe wie Nr. 1 ab (Achtung, Tusch!) Januar!!!!
Das bedeutet für mich, dass ich beide Kinder fußläufig in drei Minuten in den Kindergarten bringen kann. Schnee kann kommen. Jetzt brauche ich das Auto ja nicht mehr unbedingt. Bislang bin ich mit Nr. 1 immer eher gegen neun Uhr in der Einrichtung eingelaufen und habe Nr. 2 dann in die dreimal pro Woche stattfindende Spielgruppe gefahren. Nun macht der Kindergarten aber ja eigentlich schon um halb acht auf, so dass ich mit dem Gedanken spiele…. 🙂 (Nein, nur Spaß! Mitlesende Erzieherinnen seien an dieser Stelle beruhigt. Wir bleiben weiterhin von der gemütlichen Sorte. ;-))
Ich werde zukünftig also ab kurz nach neun zu Hause auf der Couch zu finden sein, wo ich gedenke mich bis zur Abholzeit um 14.00 Uhr mit dem morgendlichen Fernsehprogramm berieseln zu lassen.
Nr. 1 ist nun schon seit über einem Jahr im Kindergarten und fühlt sich dort sauwohl. Natürlich gibt es immer wieder Phasen, (die üblicherweise nahtlos ineinander übergehen) in denen Entwicklungsschritte oder sonstige Befindlichkeiten zu überstehen sind, aber im Großen und Ganzen ist alles gut. Wie Ihr ja oben schon gemerkt habt, braucht Nr. 1 keine Windeln mehr. Das ist praktisch und spart eine Menge Geld und Arbeit. Und wie ein echter Kerl ist er sehr stolz auf jede noch so lapidare Fähigkeit. Die Betrachtung dessen, was da aus dem kleinen Körper flutscht, war daher in der ersten Zeit unbedingt durchzuführen und mit Bewunderung zu quittieren. Nr. 1 Kommentare zu seinen Machwerken waren zum Beispiel: „Heute habe ich eine Nacktschnecke gekackert.“
Da fällt es schon schwer dieser Tat den nötigen Respekt entgegenzubringen und die richtigen lobenden Worte zu finden… :-))))
Nun bringt das Kind natürlich diverse Ausdrücke mit nach Hause, die es im Kindergarten gehört hat und toll findet. Der korrekte Einbau in den aktiven Wortschatz gelingt manchmal nicht auf Anhieb. So schimpfte er neulich mit Nr. 2: „Lass das, sonst kriegst Du eine Feige gegen das Ohr!“
Überhaupt ist die Sprache ja manchmal echt schwer. Bei einem Spaziergang bemerkte ich : „Guckt mal, da ist ein Springbrunnen.“ Darauf meinte Nr. 1 mit einigermaßen entsetzter Mine: „Ich will aber nicht in den Brunnen springen!“
Natürlich ist Nr. 1 im Kindergarten auch ins Bastelfieber geraten, so dass wir jeden Eierkarton und sonstige Umverpackungen, Rollen, Dosen etc. verwahren, um sie als Bastelmaterial mit in die Einrichtung nehmen zu können. Schatz meinte schon, dass ich doch nicht unseren ganzen Müll im Kindergarten abladen könnte. Auf den ersten Blick könnte dieser Eindruck ja auch entstehen, aber es ist zu berücksichtigen, dass alle diese Dinge mittags neu designed zu uns zurückkommen und dann an exponierter Stelle präsentiert werden wollen. Während wir also bisher unseren Müll in die Tonne geschmissen haben, stellen wir ihn jetzt auf Fensterbänken, Regalen und Kommoden zur Schau!
Das Liedgut der Kinder wird im Kindergarten ja ebenfalls schlagartig erweitert. Ich war auch ganz gespannt, welches Lied Nr. 1 wohl so als erstes trällert und hatte da Klassiker wie „Ich geh mit meiner Laterne“ oder „Das Wandern ist des Müllers Lust“ im Sinn. Stattdessen hüpfte das Kind mit einem fröhlichen „Waka, waka – eh, eh“ auf den Lippen vor mir her.
Ebenfalls hinzugesellt haben sich Bewegungslieder wie „Aramsamsam“ Den Eltern unter den Lesern muss ich hierzu wohl nicht mehr erklären. Alle anderen kann ich von dem Fragezeichen im Kopf leider auch nicht befreien, denn der inhaltliche Sinn dieses Liedes hat sich mir bislang leider auch noch nicht erschlossen. Wahrscheinlich muss man die Wörter rückwärts lesen oder nur jeden dritten Konsonant ausprechen. Der korrekte Dechiffrierungscode ist mir aber nach wie vor nicht bekannt. Was das betrifft ist auch nichts mehr wie früher. 🙂
Die außerkindergartliche Bildung der Kinder darf nun natürlich auch nicht zu kurz kommen. Durch ein unglückliches Zusammentreffen von guten Gelegenheiten hatten wir plötzlich Schwimmen, Keyboard und Fußball auf dem Programm. Diese Ballung von Terminen gefiel keinem von uns, so dass Nr. 1 sich auch zweien dieser Vorhaben verweigert hat. Praktischerweise Keyboard und Schwimmen, die nicht nur die beiden teureren Aktivitäten waren, sondern mich auch vor das Problem „Wohin mit Nr. 2?“ stellten. Fußball ist übrig geblieben und erfüllt Nr. 1 mit großer Leidenschaft und Freude. Nr. 2 schmuggelt sich mitunter auch auf den Platz und läuft ansonsten einfach auf dem Sportgelände rum. Praktisch!
Unser Plan, dass die Kinder durch den kurzen Altersabstand ein gutes Team werden müssten, geht allmählich immer mehr auf. Mit den unter Geschwistern üblichen Rückschlägen natürlich. Aber immer öfter bauen die beiden irgendetwas zusammen oder spielen wenigstens friedlich nebeneinander. Bisweilen erklärt auch der Große dem Kleinen die Welt. Zum Beispiel so:
Nr. 2 (mit einem Buch von Jim Knopf in der Hand): Ist das Lukas?
Nr. 1: Nein, das ist Emma. Da ist Lukas.
Nr. 2: Ach, da habe ich die durcheinander gebrochen…
Ein Ziel unserer kläglichen Erziehungsversuche ist es ja auch, die Kinder selbstbewusst zu machen. Offenbar sind wir hierbei etwas übers Ziel hinaus geschossen, denn Nr. 1 meinte neulich auf meine Bemerkung, dass er jetzt schlafen müsse, um groß, stark und schlau zu werden, mit einem spitzbübischen Grinsen: „Mama, schlau bin ich doch schon.“
Ich werde unter www.ich-will-kein-Arschlochkind.de mal nachsehen, was in solchen Fällen zu tun ist. Desweiteren muss ich noch googlen, was zu tun ist, wenn Nr. 2 sich vom Kleinkind in einen Wutzwerg verwandelt und mir eine Sammlung der besten Yogaübungen gegen Lärmbelästigung am Arbeitsplatz zusammen stellen. Was zwei halbe Portionen mit ihren Stimmen und einer Kiste Lego für Krach machen können, ist unbeschreiblich.
Wir geben aber die Hoffnung nicht auf, dass irgendwann aus den Satansbraten doch noch Sonntagsbraten werden.
So, natürlich kann ich mit einer Ausgabe nicht die vergangenen zwei Jahre aufarbeiten. Ich gelobe aber Besserung und werde versuchen mal wieder regelmäßiger zu schreiben. Zum Glück haben wir die meisten ja doch ab und zu gesehen, so dass Ihr trotzdem auf dem Laufenden seid.
Wir wünschen Euch allen ganz schöne Weihnachten (Mama, hör mal die Kirchenglocken glockeln.) und einen guten Rusch in 2012, Gesundheit und Glück!
Liebe Grüße von Chef, Schatz und den beiden Nachwuchskröten
P.S. In den vergangenen Jahren haben sich einige neue Freunde und Bekannte hinzugesellt, die ungefragt in den Verteiler aufgenommen wurden. Sollte dies nicht gewünscht sein, kann dieser Newsletter unter gleichzeitiger Aufkündigung der Freundschaft natürlich jederzeit risikofrei abbestellt werden. :-))

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