Da sind aber Schatten…

Irgendwie dachte ich neulich, dass es doch eigentlich möglich sein müsste, dass meine Kinder einschlafen, ohne dass ich dabei Händchen halte. Unser Einschlafritual zog sich inzwischen nämlich endlos in die Länge. Vorlesen, singen, kraulen, nochmal singen, weiter streicheln… Bis ich dann mal endlich meinen gemütlichen Teil einläuten konnte, war der Abend quasi um. Das kann so nicht weiter gehen, beschloss ich also. Leider hatte ich mal wieder die Rechnung ohne die Jungs gemacht. Vielmehr ohne Nr. 1.

Ich wollte nun vor einigen Tagen nach einer Geschichte und zwei Liedern das Zimmer verlassen. Da zeichneten sich bei Nr. 1 schon erste Anzeichen von Sorge im Gesicht ab. Er habe Angst in seinem Zimmer. Die Schatten der Vorhänge wären so komisch. Für mich war das nun nicht sooo nachvollziehbar, denn wenn das Kind doch weiß, dass es die Schatten der Vorhänge sind, warum hat es dann noch Angst davor? Eigentlich ist mir natürlich klar, dass Ängste häufig irrational sind, aber ich sah meinen geplanten DVD-Abend schon gefährdet. Ich hatte einfach keine Lust an diesem Bett zu hocken und war daher auch völlig unempfänglich für die Ängste meines Kindes. In dem Maße, in dem sich bei Nr. 1 die Panik steigerte, steigerte sich bei mir der Wutpegel. Das Ganze endete darin, dass ich die Tür hinter mir zuknallte und das brüllende Kind zurückließ.

Nach drei kontrollierten Atemzügen schaltete sich glücklicherweise mein Gehirn wieder ein. Ein schreiendes und unüberhörbar ängstliches Kind war ja nicht gerade das Ergebnis, das ich angestrebt hatte. Also recherchierte ich mal ein bißchen im Internet und musste feststellen, dass sich Nr. 1 völlig altergerecht verhält. Fünfjährige befinden sich klassischerweise in der letzten Angstbildungsphase. Besonders im eigenen Zimmer haben sie oft Anst, weil es sich durch Schatten und Dunkelheit plötzlich vom vertrauten Raum in etwas Bedrohliches verwandelt.

Was macht man also? Auf keinen Fall schimpfen (ähhh) oder dem Kind die Angst ausreden. Sprüche wie „Du musst keine Angst haben, da ist nichts.“ gelten als völlig unsensibel (ähhh).

Schön, was also stattdessen? Reden! Das ist aber nun genau das, was ich eben nicht will. Ob ich singe, vorlese oder rede, mein Abend ist danach gelaufen.
Nächster Vorschlag? Licht anlassen. Hm.

Ich bin also hoch zu meinem Kind, um ihm den Vorschlag zu machen, dass wir das Licht ein bißchen anlassen, so dass er im Zimmer alles genau erkennen kann. Und ich habe ihm versprochen, dass ich alle paar Minuten gucken komme, ob alles ok ist. Damit war er gleich einverstanden. In der Zwischenzeit konnte ich wenigstens ein paar Dinge schonmal erledigen und während er mich bei den ersten zwei Kontrollbesuchen noch erwartete, war er beim dritten schon eingeschlafen. So machen wir das jetzt seit ein paar Tagen und es funktioniert recht gut.

Als therapeutische Strafarbeit zwecks Nervenberuhigung und als heimliche Entschuldigung für mein ungerechtes Rumtoben habe ich für die Jungs dann Mumamäs genäht. Was sich dahinter verbirgt: beim nächsten Mal!

 

 

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