(Be)lagerung im Kinderzimmer

Heute muss ich mal kurz darüber philosophieren, wie praktisch es doch ist, wenn die Kinder sich Übernachtungsgäste einladen. Nr. 1 und Nr. 2 sind ohnehin der Meinung, dass ein Tag ohne Verabredung ein verlorener Tag ist. 🙂 Entsprechend marschieren wir meistens in mehreren Zweierreihen vom Kindergarten nach Hause. Relativ neu im Repertoire sind Einladungen zum Übernachten. Vorteil von übernachtenden Kindern ist, dass man auch abends und am nächsten Morgen noch seine Ruhe hat, da sich die Kinder miteinander beschäftigen. Auch hier gilt der Leitsatz: „Je mehr da sind, desto besser!“Natürlich schläft die Brut nicht so früh ein, wie gewohnt. Das ist aber nicht schlimm, denn sie spielt dafür in den dafür vorgesehenen Zimmern, anstatt die Eltern einzuspannen. Diesen eröffnen sich ganz ungewohnte Möglichkeiten. Gastkind ersetzt Babysitter – jedenfalls fast.

Doch Vorsicht: Als Chef muss man unbedingt einige wichtige Überlegungen anstellen, bevor man leichtfertig einem Kumpel des eigenen Kindes ein Schlaflager anbietet. Möchte ich das Kind sowohl beim Abendessen als auch beim Frühstück am Tisch sitzen haben? Kann ich mir vorstellen, diesem Kind notfalls den Hintern abzuwischen und ihm die Zähne zu putzen? Möchte ich schlimmstenfalls dieses Kind mitten in der Nacht in mein Bett aufnehmen, wenn es ihm dann bei uns doch unheimlich ist? Nach sorgfältiger Überlegung zu diesen Punkten fällt schon ein Großteil der Kinder durchs Raster. Es bleibt ein kleiner Rest, der sich jedoch nicht unbedingt mit den Wunschgästen der eigenen Kinder deckt. Wenn man dann aus der „Den-könnte-ich-ertragen“-Menge und der „Den-will-ich-einladen“-Menge die Schnittmenge gebildet hat, kann es losgehen. In unserem Fall blieb genau ein Kind übrig. Das machte die Sache dann wiederum einfach. Nach kurzer Rücksprache mit der Mutter wurde also beschlossen, dass der Dings die Nacht von Freitag auf Samstag bei uns verbringen würde.

Unkomplizierter hätte ein solcher Besuch wohl nicht ablaufen können. Dings rückte mit Sack und Pack bei uns an. Wir aßen zusammen zu Abend. Verpackten die Kinder in Schlafanzüge und putzten die Zähne. Die Frage, wer wo mit wem schläft, war schnell geklärt: alle zusammen. Also bauten wir aus den vorhandenen Matratzen und Decken ein großes Lager, auf dem sich die Jungs zusammenrotteten. Natürlich verschob sich die Schlafenszeit deutlich nach hinten, denn dafür waren sie dann doch zu aufgeregt. Aber nach einer Stunde ausgiebigen Tobens konnten wir zum Vorlesen und Singen übergehen. Und dann gab einer nach dem anderen seinen Geist auf. Am nächsten Morgen war Nr. 2 als erster wach. Er weckte kurzerhand Dings und die beiden spielten friedlich mit Lego. Nr. 1 gesellte sich irgendwann dazu. Völlig selbstverständlich, als ob das immer so liefe. Schatz und ich genossen noch eine Weile die Ruhe und lauschten den süßen Klängen aus dem Obergeschoss. Nach dem gemeinsamen Frühstück haben wir die Bande in den Garten gekegelt, wo sie gespielt haben, bis die Mutter von Dings ihn wieder abgeholt hat.

Alle Beteiligten hatten eine wirklich entspannte Zeit. Natürlich erwiesen sich mal wieder alle Bedenken als unbegründet. Wir mussten doch kein heulendes Dings mitten in der Nacht nach Hause fahren. Und zur Krönung des Ganzen meinte Dings: „Ich habe mich sehr wohl bei Euch gefühlt. Ich könnte hier einziehen.“ 🙂 Was will man mehr? Da hat der Chef in der Wahl des Gastkindes doch mal alles richtig gemacht, oder?

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