Mäten es en goden Mann

Wir waren in diesem Jahr zum ersten Mal mit den Jungs beim Mätensingen. Diese nette Tradition ist ja leider in den letzten Jahren ein bißchen dem Halloweenhype zum Opfer gefallen. Aber es gibt sie noch, die versteckten Ecken, an denen man selbst in nostalgischen Erinnerungen schwelgen und den Kindern ein beglückendes Erlebnis bereiten kann.

In unserer unmittelbaren Nachbarschaft sind leider kaum kleine Kinder unterwegs. In der nahe gelegenen Fußgängerzone spielen sich noch die meisten Aktionen ab, aber da will bei mir einfach nicht die richtige Stimmung aufkommen. Die Geschäfte sind hell erleuchtet, die Verkäuferinnen genervt und die Süßigkeiten, die verteilt werden, von der billigsten Sorte. An einigen Läden hängen sogar Zettel, dass man keine singenden Kinder wünscht. Super! Aus Sicht der Ladenbesitzer verständlich, aber irgendwie auch traurig.

Also haben wir uns kurzerhand bei einer Freundin eingeladen, die praktischerweise in einer Neubausiedlung am Rande der Stadt wohnt, in der es von kleinen Kindern nur so wimmelt. Und hier ist die Welt noch in Ordnung! Eine kleine romantische Enklave inmitten der hektischen Arbeitswelt. Als wir mit unseren schon sehr gespannten Jungs dort ankamen, hatte sich bereits eine Gruppe von Kindern vor dem Haus zusammengetan, um gemeinsam auf Beutezug zu gehen – alle brav mit selbst gebastelten Laternen ausgerüstet. Dieser Pulk machte sich nun auf den Weg zum nächstgelegenen, hell erleuchteten Haus. Nach anfänglichem Zögern traute sich dann auch ein Kind zu klingeln und der Spaß ging los. Eine Mutter, die äußerst überzeugend freudige Überraschung vorgab, öffnete die Tür und lauschte gespannt dem flüsternd vorgetragenen Liedchen. Lobte die Kinder über alle Maßen und tat so, als wäre ihr im Leben noch nie etwas Entzückenderes passiert als dieses Minikonzert. Natürlich wurde jedem Kind eine Süßigkeit zugesteckt, welche von den Kindern erst stolz den Eltern präsentiert und dann sorgfältig in den mitgebrachten Beuteln verstaut wurde. Erstaunlich, wie sehr sich die Kinder über ein einzelnes Maoam freuen können, wenn sie es sich selbst erbettelt haben. 🙂 Nun gab es natürlich kein Halten mehr und die Bande machte sich sofort auf zur nächsten Haustür.

Meine Jungs waren äußerst erstaunt, dass es sowas Tolles überhaupt gibt. Nachdem sie einmal verstanden hatten, wie die Sache funktioniert, wurden sie auch immer mutiger und immer schneller; rannten quasi von Haus zu Haus. Kurze Absprache, welches Lied sie singen wollten, klingeln und los! Nach einer Stunde waren sie müde aber glücklich. Mit roten Backen und vollem Beutel sind wir wieder nach Hause gefahren.

An dieser Stelle schicke ich einen Gruß und einen herzlichen Dank an die ganzen Familien, die den Kindern diese Feude gemacht haben. Es waren fast alle Häuser hübsch erleuchtet. Viele hatten Kerzen im Fenster und Süßgkeiten in Körben bereitstehen. Wie früher! Da kamen auch bei den Erwachsenen schöne Erinnerungen hoch!

Im krassen Gegensatz dazu: Gestern unterhielten wir uns mit Freunden, die in diesem Jahr auch an Halloween Süßes verteilt haben, weil sie nicht – wie im letzten Jahr – die rohen Eier von der Fassade kratzen wollten. Da zahlen sie lieber diese Art von Schutzgeld. Ich bin wirklich nicht altmodisch, aber muss man sich da über den Werteverfall wundern? Beim Mätensingen geht es doch darum, dass St. Martin (freundliche Hausbewohner) sein Hab und Gut (Süßigkeiten) mit dem Bettler (singende Kinder) teilt. Das hat doch viel Schönes und macht allen Beteiligten Spaß. Und mt etwas Glück lernen die Kinder dabei auch noch was über Mitgefühl und Großzügigkeit. Unter Androhung schlimmster Strafen würde ich meinen Kindern verbieten in gruseligen Kostümen an den Türen anderer zu klingeln, um Süßes zu FORDERN. Das allein ist schon eine Frechheit. Aber dann auch noch mit rohen Eiern zu werfen, wenn man nichts bekommt, ist der Gipfel. Oder sehe ich das falsch? Was soll ein Kind denn daraus lernen? Ach, ich rege mich auf! Tut mir leid. Damit höre ich auch sofort wieder auf und freue mich lieber jetzt schon aufs nächste Jahr, wenn wir sicher wieder dieser kleinen romantische Enklave am Rand der Stadt einen Besuch abstatten, wo die Welt noch in Ordnung ist!

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