Warum man immer einen 500er-Pack Teelichte im Haus haben sollte

Hattet Ihr in letzter Zeit mal keinen Strom? Das ist in der heutigen Zeit ein echtes Abenteuer, kann ich sagen.

Am Freitag kam ich mittags nach Hause mit dem dringenden Wunsch nach einer Tasse Kaffee. Ich hatte jedoch die Jacke noch nicht ausgezogen, da klingelten zwei Mitarbeiter des hiesigen Stromversorgers, um mir mitzuteilen, dass sie mir leider sofort den Strom abstellen müssten. Und zwar sofort im Sinne von Keine-Zeit-mehr-für-Kaffee-sofort. Sie stiefelten also in den Keller, knackten die verplombte Hauptsicherungsdose und entfernten mit einem Sicherheitshandschuh, der auch einem Falkner gut gestanden hätte, drei zigarettenschachtelgroße Sicherungen. Dann hängten sie noch ein Schild mit der Warnung „Vorsicht, Lebensgefahr“ auf und entschwanden mit einem fröhlichen „Das kann jetzt was dauern.“ Um es gleich vorweg zu schicken: Es dauerte genau siebeneinhalb laaaaange Stunden!

So, da stand ich nun. Wie ich sehr schnell feststellen musste, funktioniert in unserem Haus ohne Strom praktisch nichts. Kaffeemaschine, Fernseher, Staubsauger, Radio, Lampen, Kühlschrank – alles tot. Die Verbindung zur Außenwelt abgeschnitten, denn auch Türklingel, Telefon und WLAN brauchen leider Strom. Kochen entfiel ebenfalls.

Da habe ich es mir also mit einem Brot und einem Glas Wasser in der Nähe des Fensters bequem gemacht und gestrickt. Was soll man sonst auch machen? Als die Jungs vom Kindergarten kamen, fanden die das zunächst noch ganz lustig. Bis sie merkten, dass auch im Kinderzimmer nix lief. CD-Player tot, kein Licht, keine Heizung. Gemütlich ist anders. Nr. 1 erfasste den Ernst der Lage am schnellsten und meinte entsetzt: „Da wird der Papa aber sauer sein, wenn er nach Hause kommt, und es gibt nichts zu essen!“ 🙂

Ab 16.00 Uhr wurde es dann immer dunkler und kälter. Wir muckelten uns also in Wolldecken und rückten immer näher ans Fenster, um die letzten Lichtreflexe noch zu nutzen. Die Stimmung wurde nicht eben besser, als wir bemerkten, dass sich das Problem wohl nur auf unserer Straßenseite befand, denn die Nachbarn gegenüber saßen in heimelig erleuchteten Wohnungen, in denen vermutlich auch die Heizung funktionierte.

Zur Krönung vermeldete dann auch der Akku meines Handys, dass er jetzt seinen Geist aufgeben würde, wenn ich ihn nicht augenblicklich an die Stromversorgung anschlösse.

Aber dann, als sich Dunkelheit über das Haus legte, kam mein großer Auftritt! Wie gut, dass ich in weiser Voraussicht bei jedem IKEA-Besuch der letzten Jahre vorsorglich einen Großpack Teelichte mitgenommen hatte. Was wäre nur geworden, wenn wir nicht durch systematisches Bestücken jeder freien Fläche im Haus wenigstens etwas Licht und Wärme hätten zaubern können? Womöglich wären wir an der kalten Heizung festgefroren oder hätten uns im Dunkeln den kleinen Zeh irgendwo gestoßen. Nie wieder werde ich mich verspotten lassen müssen, wenn zukünftig nicht nur eins, sondern lieber gleich zwei 500er-Pakete in unserem Einkaufwagen landen. Man weiß ja nie!

Also, Männer, seid dankbar, wenn Eure Frauen in der IKEA-Kleinkramabteilung zuschlagen. Irgendwann werdet Ihr verstehen, wofür es gut war. Auch die Großpackungen Servietten in 19 verschiedenen Farben, die Gläser, Schälchen, Zuckerstreuer, Kerzenhalter, Geschenkpapierrollen und Badezimmerflickenteppiche werden irgendwann zum Einsatz kommen. Sobald ich herausgefunden habe, zu welchem Anlass, werde ich dies hier kundtun. Solange müsst Ihr darauf vertrauen, dass Eure Frauen schon wissen, was sie tun. 🙂

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