Warum Kinderbetreuung so angstrengend ist

Erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht. Dass hier nicht viel Neues passiert ist, liegt daran, dass wir uns in den letzten Wochen abwechselnd mit Grippe rumgeschlagen haben. Dabei haben sich offenbar die Viren der Kinder zusammengetan, um dann gemeinschaftlich über mich herzufallen, denn ich war für zwei Wochen außer Gefecht. Anfänglich dachte ich ja noch, dass es so schlimm schon nicht sei. Als die Jungs vermeintlich friedlich miteinander spielten, hatte ich mich mal für ein paar Minuten aufs Bett gelegt. Offenbar war ich kurz eingenickt, denn als ich wach wurde, stand Nr. 1 heulend neben mir und beschwerte sich, dass sein Bruder ihn geschlagen habe. Nr. 2 verteidigte sich empört, dass er das aber nur gemacht habe, weil Nr. 1 mit einem Messer hinter ihm hergelaufen sei! In solchen Situationen habe ich Fragen. Stelle sie aber gar nicht erst, weil die Antworten sowieso unbefriedigend sind. Oder dermaßen umständlich, dass ich am Ende der langwierigen Erklärung schon vergessen habe, was ich gefragt hatte.

Jedenfalls war das der Moment, in dem ich einsah, dass Gatte und Großeltern die Kinderbetreuung übernehmen mussten. Krank ist eben krank und Kinder erfordern Aufmerksamkeit. Und zwar immer und überall. Während ich in der Küche Kartoffeln schäle, zetteln die Jungs im Wohnzimmer eine Prügelei an. Während ich die Wäsche abnehme, haben sie in nur fünf Minuten das Bad unter Wasser gesetzt. Während ich staubsauge, jagen sie die alte Katze durchs Haus… Die Liste könnte ich endlos weiterführen. Kinder riechen es, sobald die Aufmerksamkeit des Betreuungspersonals nachlässt und nutzen das schamlos aus.

Deswegen bin ich – und Millionen andere Eltern – abends auch immer so erschöpft. Einerseits erledige ich Aufgaben, die an geistiger Unterforderung kaum noch zu überbieten sind, zum Beispiel Kartoffeln schälen. Dabei könnte man wunderbar seinen Gedanken nachhängen. Leider muss ich währenddessen gleichzeitig hochkonzentriert sein, um mitzubekommen, wann die Geräusche aus dem Nebenzimmer ein Eingreifen erfordern und wann nicht. Folglich raucht mir abends der Kopf, obwohl ich nicht wirklich damit gearbeitet habe.

Was ist hier zu tun? Den Blödsinn, den die Jungs so anstellen ignorieren, scheidet aus. Einfach keine Kartoffeln schälen, sondern nur die Jungs beaufsichtigen, scheidet auch aus. Schließlich sind hungrige Kinder auch nur schwer zu ertragen. Demnach bleibt nur noch eine Lösung übrig: Die Kinder müssen die Kartoffeln schälen. Damit ist auch allen gedient. Die Jungs lernen etwas fürs Leben und können sich selbst was zu essen machen, wenn ich mal wieder krank sein sollte. Während sie Kartoffeln schälen, können sie nicht das Bad überschwemmen. Und ich habe Zeit, um das Ganze zu beaufsichtigen und gleichzeitig ein bißchen zu entspannen. So einfach! Warum ist mir das nicht schon längst eingefallen?

Dann werde ich den Jungs jetzt mal zeigen, wie sie die Hackbällchen formen müssen und mich dann zur Beaufsichtigung des Vorganges mit einer Tasse Kaffee aufs Sofa fläzen. Ihr entschuldigt mich bitte…!?

 

 

 

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