Autos und ihre Geschichten

Heute greifen wir mal wieder in die Trickkiste. Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass man mit Kindern irgendwo hinGEHEN muss. Leider sind kurze Beine oft müde. Sie ermüden interessanterweise auch auf dem Weg zum Supermarkt viel schneller als auf dem Weg zum Spielplatz. Da ich aber ständig mit mindestens einem Kind hier im Viertel unterwegs bin, – zumeist, um das andere von irgendeinem Kumpel oder einer Kumpeline abzuholen – ist es zur Schonung meiner Nerven unerlässlich, dass die Sache „läuft“. Immer gerne genommen ist der „Wem dieses Auto wohl gehört?“-Trick. Dazu wirft man einen Blick in den Innenraum eines beliebigen Autos und überlegt anhand der Dinge, die da so rumliegen, wem das Auto gehören könnte und denkt sich eine möglichst verrückte Geschichte dazu aus.

Und Ihr glaubt ja gar nicht, was der Innenraum Eures Autos so verrät! 🙂 Frauen haben gerne Stofftiere am Spiegel oder am Schaltknopf oder auf allen verfügbaren Ablagen. Jetzt kann man sich fragen, ob sich die Fahrerin das rosa Plüschnilpferd wohl selber gekauft hat, ob es ihr ein tölpeliger Ex-Freund geschenkt hat, weil ihm die Gazelle zu teuer war, und ob sie es jetzt benutzt, um damit Vogelscheiße von der Windschutzscheibe zu putzen.

Männer haben ja ohnehin ein spezielles Verhältnis zu bzw. mit ihren Autos. Oft sind diese extrem aufgeräumt, staub- und fusselfrei und im Aschenbecher liegen Chips für den Einkaufswagen. Die Räder stehen exakt parallel zur Bordsteinkante, Abstand 15,0 cm. Oder das Auto ist eher eine Karre und gehört vermutlich einem Musikstudenten. Dann quillt der Aschenbecher über, auf dem Rücksitz liegen Papiere verstreut, auf dem Boden im Beifahrerfußraum liegen leere Kaffeebecher und Red-Bull-Dosen. Am Spiegel baumelt evtl. ein Duftbaum. Allerdings hat den der Vorbesitzer gekauft und noch mit DM bezahlt.

Auch interessant sind Hundebesitzer. Je nachdem, wie einsam der Mensch ist, umso weiter vorne darf das Tier sitzen – Kofferraum, Rücksitz oder Beifahrersitz. Dann gibt es entweder eine olle Decke aus der Nachkriegszeit zum Drauflegen oder ein Plüschkissen aus Leopardenimitat mit einer aufgestickten Krone und dem Schriftzug „Prinzesschen“.

Menschen, die Kinder herumfahren, benutzen ihr Auto genau dafür. Entsprechend sind auf dem Rücksitz Kindersitze montiert, im Kofferraum liegen noch ein paar Sitzschalen für spontan mitfahrende Kindergartenkumpels. Ebenfalls im Kofferraum finden sich Einkaufskörbe, Bälle und, wenn Platz da ist, Roller oder Fahrräder. Bei kleineren Kindern Bobbycar oder Kinderwagen. Auf dem Beifahrersitz liegen griffbereit Feuchttücher und Getränke. Auf dem Boden findet man Reste von Reiswaffeln und Zwieback. An den Scheiben kleben Sonnenschutzdinger mit entweder „Hello, Kitty“-Aufdruck oder „Cars“-Aufdruck. Dies ist abhängig vom Geschlecht des Kindes und der Uhrzeit, zu der die Mutter beim Discounter war, um die Teile zu kaufen. Kommt sie zu spät, sind garantiert die passenden ausverkauft. Dann muss sich der wilde Kerl eben hinter Prinzessin Lillifee durch die Gegend fahren lassen.

Man muss bei diesem Spiel allerdings immer mit dem Schlimmsten rechnen, seid gewarnt! Das Schlimmste war auf einer unserer letzten Runden ein silberner Z3 mit schwarzem Faltdach. Perfekt gepflegt und geparkt. Doch beim Blick in den Innenraum gefror mir das Blut in den Adern. Dort lagen auf den schwarzen Ledersitzen – Gartenstuhlauflagen mit Blümchendruck!!! (Ich habe es leider vor Schreck versäumt ein Foto zu machen. Aber wenn ich das Auto nochmal sehe, reiche ich es nach!)

Ja, auch sowas muss es geben. Wir haben uns aber lieber keine Geschichte zu den Menschen ausgedacht, denen dieser Wagen gehört. Sie wäre zu unfreundlich ausgefallen.

Der Trick funktioniert übrigens auch in der Fußgängerzone, wo Autos ja eher rar sind. Wenn die Kinder groß genug sind, um leise zu sprechen, kann man sich interessante Mitmenschen aussuchen und überlegen, wo die hin wollen, was sie in den Taschen haben usw. Wenn die Kinder noch kleiner sind, hält man sich lieber an Schaufensterpuppen. Da ist es nicht so peinlich, wenn die Jungs brüllen: „Mama, die dicke Frau da vorne hat in ihren Taschen bestimmt ganz viel zu essen. Nur Süßigkeiten und Kuchen. Und die gibt niemandem was ab!“

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