Maximale Entspannung für alle

Wir sind wieder da. Aber wir waren weg. Und zwar total abgeschnitten vom Rest der Welt. Die Handys lagen brach, da weder eine Internetverbindung noch eine Telefonverbindung zustande kam. Es gab keinen Fernseher und kein Radio. Nichts. Und das Ganze für zwei Wochen.

Wo man eine solche Oase findet? In Holland! Dort hatten wir gemeinsam mit einer befreundeten Familie zwei Häuschen gemietet, die direkt auf dem Strand stehen. Und was soll ich sagen? Es war der Knaller!!!

Ich bin nun komplett unerfahren in Sachen Camping und einigermaßen unerfahren in Sachen Strandurlaub, so dass ich feststellen musste, dass wir von einigen Dingen viel weniger gebraucht hätten, dafür von anderen Dingen deutlich mehr.

Socken und festes Schuhwerk, zum Beispiel, sind am Strand komplett überflüssig. Da immer und überall Sand ist, sollte man Schuhe anhaben, aus denen derselbe möglichst ungehindert herausrieseln kann. Selbst wenn Kinder nackt sind, bringen sie immer noch so viel Sand mit ins Haus, dass es abends im Bett knirscht. Anziehsachen mit Taschen und Umschlägen sind an Kinderkörpern daher unbedingt zu vermeiden.

Da in Holland selten karibische Temperaturen erreicht werden, man aber dafür ständig den Wind um die Ohren hat, darf man beim Einpacken von Mützen und Schals auch im Sommer nicht geizen. Fackeln für das romantische Strandfeeling kann man getrost zu Hause lassen, da sie sich auch mit einem Sturmfeuerzeug nicht entfachen lassen. Öllampen hingegen (glücklicherweise von unseren Freunden eingepackt) funktionieren astrein und vermitteln schönste 1001-Nacht-Stimmung.

Gleich am ersten Tag –Chef in Neopren natürlich erst nachdem wir die Standleitung „Heineken“ zu unseren Häuschen gelegt hatten – mussten wir den örtlichen Surfshop stürmen und für die Kinder und die memmende Chefin Neoprenanzüge kaufen! So konnten wir trotz nicht sehr einladender Temperaturen ins Wasser und die stürmische See genießen.

Diese äußerst lohnende Anschaffung war dann auch der Startschuss für sowas von entspannte Ferien. Die beiden aufregendsten, weil einzigen, Unternehmungen, die wir gemacht haben, waren Ponyreiten für Nr. 2 und Minigolf.    ( Ja, gut, wir waren auch einmal Shoppen. Aber nur, weil es den ganzen Tag geregnet hat! 🙂 ) Ansonsten haben die Kinder im und auf dem Sand sowie im und am Wasser gespielt. Sie haben Dinge gesammelt, Erdhaufen aufgehäuft und Erdlöcher ausgehoben. Sie sind über Wellen gesprungen und haben Möwen gejagt. Sie haben sich gestritten und wieder vertragen. Und das alles weit bis sehr weit entfernt von uns Eltern, die wir 85% des Tages in sitzender oder liegender Position verbracht haben.

Die restlichen 15% haben wir mit dem Zubereiten von ungesunder Nahrung gefüllt. Es gab Pommes, Pasta und Gegrilltes im Überfluss, so dass wir uns von der Nr. 1 unserer Freunde gegen Ende des Urlaubs sogar ein empörtes: „Och, neeee. Schon wieder Burger?!“ einhandelten.

Während ich nun zwei Wochen einfach nur rumlag, fielen mir zwei Dinge auf, die ich mir bis heute und trotz intensivem Grübelns nicht erklären kann.

1. Welche Faszination geht von LenkdracFüße vom Chefhen aus?
Immer und immer wieder stiefelte ein – zumeist männlicher – Mensch bewaffnet mit einem Drachen an den Strand, um das Flugobjekt erstmal sorgfältig in Position zu bringen. Dann wurden die zwei Lenkschnüre ausgerollt und mit einem entschlossenen Ruck sollten diese den Drachen starten. Das klappte auch manchmal. Oft auch nicht. Wenn es geklappt hat, schaute der Drachenbändiger mit wackelndem Kopf in die Luft und zog einmal links an der Schnur (Drache fliegt Kurve) und dann einmal rechts an der Schnur (Drache fliegt wieder Kurve). Den Oberkörper wiegt man im Rhythmus der Kurven. Falls es nicht geklappt hat, schaute sich der Mensch nach einem anderen Mensch um, der dem Drachen einen kleinen Schubs geben könnte. Zumeist erbarmte sich irgendein Kind. Und irgendwann hörte man ein zischendes Rauschen bzw. ein rauschendes Zischen. Dieses Geräusch kündigte den sicheren Absturz des Drachen an. Doch was ein richtiger Drachenvater ist, der gibt so schnell nicht auf! Alles wieder auf Anfang: Flugobjekt sorgfältig ausrichten, Schnüre entwirren und in Position bringen, Rucken, Kopfwackeln… Es ist mir total schleierhaft, wo da der Spaß liegt, aber irgendetwas muss dran sein, denn es war immer mindestens ein Drache in der Luft.

2. Warum müssen Menschen, die ins Meer wollen, immer rennen?
Habt Ihr das mal beobachtet? Dass Kinder immer rennen, ist ja nichts Neues. Aber auch Erwachsene fangen plötzlich an zu rennen, wenn sie Badesachen angezogen haben und ihr Blick sich aufs Meer richtet. Es läuft immer gleich ab. Sie fangen an mit beschwingtem Gehen, das aber sofort in leichten Trab übergeht. Und dann wird gerannt. Altersunabhängig und länderübergreifend. Allerdings nur, um kurz vor Erreichen des Ziels abrupt abzubremsen und „Huch, ist das kalt!“ zu kreischen. Ich bin nicht sicher, ob es ein Ritual ist, um sich selber auszutricksen. Denn eigentlich wissen wir ja schon vorher, dass das Wasser kalt ist. Jedenfalls die Nordsee. Funktioniert das nach dem Motto „Schneller da, schneller drin“? Oder denken wir etwa, dass wir im Gegenlicht und mit eingezogenem Bauch aussehen wie Pamela oder David? Sind das unsere ganz privaten Baywatchmomente? Die rote Rettungsboje denken wir uns einfach dazu! Oder ist es die deutsche Gründlichkeit? Planschen im Meer gilt als Sport und vor dem Sport machen wir uns warm!

MöweVielleicht ist das alles aber auch nur Ausdruck von Lebensfreude. Wenn es uns vor unseren Kindern nicht ein bißchen peinlich wäre, würden wir nämlich am liebsten laut jauchzend auf das Meer zuhüpfen! Und mit den Armen dabei schwingen.
Wir haben uns auch nicht getraut vor Glück zu schreien, aber dafür haben wir noch am Abend unserer Heimkehr für 2014 wieder gebucht.

 

 

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