Babysprachentrauma

Seit dem Sommer gehören der Kindergartengruppe von Nr. 2 auch Kinder unter drei Jahren an. Das ist ja grundsätzlich auch eine schöne Sache, denn die Kleinen lernen von den Großen und die Großen lernen zu akzeptieren, dass man mit den Kleinen anders umgehen muss. Soweit so gut. Trotzdem gehört dieses System abgeschafft – denn an die Nerven der Eltern hat bei dem Konzept niemand gedacht!

Meine Nr. 2 ist der deutschen Sprache mehr als mächtig. Ich kann mich erinnern, dass eine Freundin einmal sagte, dass es immer wieder erstaunlich ist, wieviel Deutsch am Stück aus diesem kleinen Menschen kommt. Da war er selber noch nicht im Kindergarten. Doch leider spielen sich in den letzten Monaten immer wieder sprachliche Dramen ab. Gerade noch ist er Spiderman. Als solcher in einen wilden Kampf verwickelt, bei dem die Muskeln spielen und die Gegner grammatikalisch korrekt beschimpft werden. Doch mitten im Spiel fällt er auf die Nase.

Und jetzt kommt sie, die unerträgliche Adaption der Babysprache bei Fünfjährigen. Der gefallene Spiderman steht auf, guckt mich mit Kulleraugen an und piepst: „Aua, Mama, hindefalle.“ Ahhhrgh! Das macht mich aggressiv. Ehrlich. Und nach Rücksprache mit anderen betroffenen Mütter, die ansonsten durchaus Herr ihrer selbst sind, weiß ich: ich bin nicht allein. Nein, Horden von Müttern müssen sich mit diesem Problem rumschlagen.

Neulich wurde Nr. 2 nach seinem Namen gefragt. Antwort: „Numme wei.“ Was???? Da könnte ich ausflippen. Wozu habe ich mir die Mühe gemacht? Wozu habe ich stundenlang stumpfsinnige Bilderbücher angeschaut und immer wieder bei jedem richtigen Wort gejubelt: „Ja, toll, das ist ein A-U-T-O. Bravo!“ Wozu das Ganze? Häh? Da sagt das Kind zu mir:“Mama, fahre mitte warze Brummbrumm?“

Ich mein, versteht ihr mich als Mensch? Das ist doch nicht auszuhalten!

Gut, natürlich ist mir klar, dass es sich auch hierbei mal wieder nur um eine Phase handelt. So lernen die Kinder, dass man diese Sprache bei Zweijährigen niedlich findet, bei Fünfjährigen aber nicht. Genauso, wie die Oma nicht stundenlang Fußball spielt, dafür aber gerne stundenlang vorliest. Jedem Alter seine Besonderheiten – das ist wohl das Kapitel der Sozialisation, welches meine Nr. 2 gerade zu erfassen versucht. Aber könnte er das nicht auch durch reine Beobachtung zu tun? Muss er gefühlte 1.000 Mal gucken, wie die Umwelt reagiert, wenn er in die Babysprache verfällt? Muss er mich damit tyrannisieren, zur Weißglut und an den Rande eines Nervenzusammenbruches bringen?

Ach, was rege ich mich mal wieder auf? Es nützt, wie immer, ja doch nichts. Aber selten war eine Phase so nervig wie diese und ich mache drei Kreuze, wenn wir sie überstanden haben.

„Mama, Pipi macht. In Gummitiefel! Nich slimm, oder?“

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