Wie alles begann – der Schwangerschaftstest

Kinder, wie die Zeit vergeht… Zwischen meinem letzten Beitrag und heute ist ja doch die eine oder andere Stunde vergangen. Ich verbringe meine Tage mit Arbeiten für Geld (20 Stunden pro Woche) und Arbeiten aus Spaß an der Freud, ohne Betriebsrat und Kündigungsmöglichkeit (die restlichen 148 Stunden der Woche). Beides bietet zwar gleichermaßen Stoff für ganze Romane, aber leider gibt es da Hindernisse.

Berufliches unterliegt natürlich der Schweigepflicht und Privates unterliegt neuerdings der Zensur. Nr. 1 und 2 haben zwischenzeitlich erfahren, dass es sowas wie Internet gibt und kennen sich verdächtig gut mit sämtlichen elektronischen Geräten in unserem Haus aus. Außerdem haben sie Lesen gelernt – leider, möchte ich bisweilen sagen. Die Wunschzettel für Weihnachten können nicht mehr als post-it an die Küchenfronten geklebt werden, sondern müssen gut versteckt werden. Und jeder kennt wohl die Problematik, dass man manchmal Dinge so gut versteckt, dass sie auch wirklich unauffindbar sind, oder? Naja, da bleibt eben das eine oder andere Geschenk auf der Strecke.

Auch sonstige Nachrichten auf Papier oder Handy müssen entweder verschlüsselt oder politisch sehr korrekt sein, denn sie könnten jederzeit von einem der beiden Kerle entdeckt werden. Sie können das Fernsehprogramm lesen und lassen sich nicht mehr mit einem „Jetzt läuft gerade gar nichts für Euch!“ ins Bockshorn jagen. Ebenso verhält es mit Speisekarten in Restaurants. Die Behauptung, dass es in diesem Laden weder Pommes noch Chicken Nuggets gibt, wird maximal mit einem mitleidigen Lächeln quittiert. Da sie neben dem Lesen auch das Sprechen gelernt haben, bestellen sie sich die Dinger einfach; und das Eis zum Nachtisch gleich mit. Nur beim Bezahlen, da sind Chef und Schatz dann plötzlich wieder gefragt. Irgendwie läuft das nicht gut.

Aber ich komme vom Thema ab. Jedenfalls sind die Nummern 1 und 2 inzwischen soweit bei Verstand, dass sie mitkriegen, wenn wir uns über sie amüsieren. Und oft führt das zu vorwurfsvollen Knatschgesichtern und einem beleidigten: „Das ist gar nicht lustig!“ Doch, ist es wohl! Aber gut. Wir werden es für uns behalten und ich werde nicht darüber schreiben. Aber ich werde mir alles merken für später! Sobald die Kinder gelernt haben, über sich selbst zu lachen, kommt hier alles auf den Tisch.

Solange muss ich mich wohl auf mich sebst konzentrieren. Und da bietet sich ja auch genug Stoff. Allein die Dinge, die mir während der Schwangerschaften so passiert sind… Ich fang mal ganz vorne an, denn das Ganze ging direkt schon leicht irritierend los. Eines schönen Tages war ich sicher, dass ich schwanger war. Die Mütter unter den Lesern kennen das vielleicht. Männer und Nicht-Mütter werden fragend die Augenbrauen heben. Jetzt war der Verursacher meines Zustandes auf dem Sprung zu einer längeren Dienstreise. Zeit für die Vereinbarung eines Arzttermines blieb also nicht und ich hatte Zweifel, dass ihn meine Behauptung „Ich weiß es eben!“ überzeugen würde. Schließlich ist er ein Mann und ich erwartete oben genannte Reaktion. Was macht man da? Man geht in die Apotheke und kauft einen Schwangerschaftstest. Dort stand ich also und die Apothekerin fragte, welche Marke ich denn wünschte. Äh, häh? Keine Ahnung. Gibt es da Unterschiede? Mir doch schnurz. Hauptsache schnell und eindeutig. Mein ratloser Blick veranlasste die Dame zu ihrer nächsten Bemerkung: „Ach, wissen Sie, ich gebe Ihnen mal diesen hier. Den nehme ich auch immer.“

Wie jetzt – „immer“? Da habe ich Fragen. Ich dachte, dass man Schwangerschaftstests eher sporadisch kauft. In meinem Fall zum Beispiel genau zweimal. Beweisstück Nr. 1 und Beweisstück Nr. 2. Fertig. Ich stellte mir die Dame beim Einkaufen vor: „Was brauche ich denn: Brot, Butter, Obst, Wurst… Ach, jetzt hätte ich fast den Schwangerschaftstest vergessen!“ Ich habe kurz überlegt, ob ich da mal genauer nachhake. Aber es gab schließlich Wichtigeres zu tun.

Und nun frage ich mich, wieso bisher niemand eine andere Methode zur Ermittlung des aktuellen körperlichen Zustandes erfunden hat. Da müsste es doch heutzutage eine App für geben. Aber nö. Nix dergleichen. Schwangerschaftstest läuft immer noch ganz altmodisch ab. Im Bad.

Gut, wenn ich gar nicht schwanger sein will, wird mir möglicherweise vor Schreck schlecht. Dann ist es ja praktisch, wenn ich sowieso schon auf dem Klo hocke. Ist die Sauerei besser zu beseitigen. Aber in meinem Fall handelte es sich ja um ein freudiges Ereignis. (Anm. d. Red. – Dachte ich jedenfalls, solange die Kinder noch Babys waren und ich noch nicht wusste, was mir blüht.) Und einem solchen gebührt doch wohl ein ehrenvoller Rahmen, oder nicht?

Stattdessen sitze ich also heimlich auf dem Klo – nur für den nahezu ausgeschlossenen Fall, dass es doch falscher Alarm war. Da will man ja auch keinen unnötig aufregen. Man fummelt dieses Teil aus der Packung, versucht sich zu konzentrieren, die Spannung steigt und – man pinkelt drauf. Also mal im Ernst! Da muss es doch eine andere Lösung geben! Dass ich Urinproben abgebe, um schlimme Krankheiten zu erkennen, geht in Ordnung. Aber die erste Erinnerung an mein Kind ist jetzt ein rosa Fleck auf einem vollgepinkelten Plastikdingsbums?

Würdevoll ist anders. Ich guck mal, ob ich mich da noch irgendwo beschweren kann und leite das Ganze zur Sicherheit als Aufgabe an „Jugend forscht“ weiter. Damit es meine Kinder mal besser haben! 🙂

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s